Die 10 besten Tierschutz-Beschlüsse der SPD, Jusos und Juso-Hochschulgruppen

Für die SPD, Jusos und Juso-Hochschulgruppen war die Frage der Behandlung von Tieren nie ein Kernanliegen und wird es möglicherweise nie sein. Das heißt jedoch nicht, dass sie nie diskutiert wurde, oder es nie weitgehende Forderung in der deutschen Sozialdemokratie gab. Beispielsweise schrieb Willi Eichler bereits 1926 sein Essay „Sogar Vegetarier“. Seine Fragen und Kritik haben für einen sozialdemokratischen Tierschutz an Aktualität nicht verloren.

Auch in den letzten Jahren haben sich Genoss*innen viele Gedanken gemacht, welche Einstellung die Sozialdemokratie zur Schlachtung/Tötung von 776,5 Mio. Tiere (Deutschland/2015) einnehmen soll, wie wir die Agrarwirtschaft umsteuern können und welche Hindernisse für eine pflanzlichere Ernährung politisch aus dem Weg geräumt werden können.

Das Beschlussarchiv von Sozis für Tiere bietet einen Einblick in die Beschlusslage von SPD, Jusos und Juso-Hochschulgruppen zu diesen und weiteren Themen. Wir haben das Beschlussarchiv bis 2011 ausgewertet, nach den 10 besten Tierschutz Beschlüssen gesucht und sind fündig geworden.

10. Umdenken beginnt bei uns: Weniger Fleischkonsum bei den Juso-Hochschulgruppen (Juso-Hochschulgruppen, 2013)

Der gut begründete Beschluss setzt bei der Anmeldung für Veranstaltungen auf die Wahlmöglichkeit (Fleisch, Vegetarisch, Vegan) und nennt Gründe für einen moderaten Fleischkonsum(!). So soll keine Verpflegung als „normal“ vorausgesetzt werden. Problematisch bleibt, dass lediglich der Fleischkonsum kritisiert wird. Für den Verband ist der Beschluss jedoch ein großer Schritt gewesen.

9. Für eine ökologische Wende an den Hochschulen! (Juso-Hochschulgruppen, 2015)

In einem Beschluss mit vielen ökologischen Forderungen an die Hochschulen wird erstmals ein mehr oder minder konkretes Ziel für die Entwicklung des Fleischkonsums genannt. Die Juso-Hochschulgruppen wollen in den nächsten zwei Jahren eine 40 % Reduzierung des Fleischkonsums in Mensen erreichen.

8. Für Menschen, Umwelt und Tiere: Pflanzliche Angebote in Kindertagesstätten, Schulen und Kantinen ausbauen (Jusos Hessen-Nord, 2015)

Auf zwei Seiten werden Vorschläge gemacht, wie pflanzliche Angebote in Kindertagesstätten, Schulen und Kantinen mit den Konsument*innen verändert werden können und warum das aus Perspektive der Gesundheit, Welternährung, Umwelt und Klima, Tierschutz notwendig ist und die Ausgrenzung von Menschen verhindert.

7. Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit (Jusos Sachsen-Anhalt, 2016)

Die Jusos Sachsen-Anhalt positionieren sich auf zwei Seiten und stellen ihre Forderungen in den Bereichen Landwirtschaft, Heimtiere, Wildtiere und Verbraucherschutz auf. Neben weicheren aber notwendigen Themen werden grundsätzliche Fragen angesprochen, wenn es darum geht die Haltung von Delfinen in Delfinarien, die Haltung von Wildtieren im Zirkus zu verbieten und Pelzfarmen abzuschaffen.

6. Resolution gegen Massentierhaltung, Abbau entsprechender Subventionen (SPD Baden-Württemberg, 2011)

Die Resolution fordert den Ausstieg aus der Massentierhaltung und als Zwischenschritt die Abschaffung sämtlicher Subventionen in Baden-Württemberg. Die freiwerdenden Mittel sollen in die ökologische Landwirtschaft fließen. Begründet wird der Beschluss mit Tierleid, Klimawandel, Umweltverschmutzung, Gesundheit und Welthunger.

5. Ökonomie, Ökologie und globale Verantwortung gemeinsam denken – Konsumgewohnheiten hinterfragen (Jusos Schleswig-Holstein, 2013)

Hinter dem abstrakten Titel verbirgt sich die Forderung den Fleischkonsum intensiver zu hinterfragen und auch Konsumsteuern auf tierische Produkte zu diskutieren. Vor allem aber soll bei Veranstaltungen nur noch Fleisch aus „artgerechter Tierhaltung“ angeboten werden. Spannend bleibt, ob es eine artgerechte Tierhaltung überhaupt gibt und wieviel Fleisch folglich bei den Jusos Schleswig Holstein angeboten wird.

4. Landwirtschaftspolitik neu denken (SPD Hessen Nord, 2014)

Der Beschluss mit dem Untertitel „ökologisch, nachhaltig und vor allem sozial!“ kritisiert auf 6 Seiten viele verschiedene Probleme der Landwirtschaftspolitik und positioniert sich mit konkreten Forderungen. In die Forderungen haben es sowohl Professuren für die „pflanzliche Landwirtschaft“ sowie „pflanzliche Ernährung“, der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Pflanzenmilch, vegane Alternativen in den Mensen und ein gutes pflanzliches Angebot bei SPD-Veranstaltungen geschafft.

3. Europas Agrarpolitik muss nachhaltig werden (SPD Schleswig-Holstein, 2011)

Die SPD Schleswig-Holstein fordert seit 2011 eine massive Umsteuerung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union hin zu mehr Nachhaltigkeit. Gefordert wird u.a. eine Begrenzung auf eine Großvieheinheit pro Hektar.

2. Für eine nachhaltige Hochschulgastronomie und einen progressiven Tierschutz (Juso-Hochschulgruppen, 2015)

Die Juso-Hochschulgruppen haben ihre bisherigen Forderungen an die Verpflegung in den Mensen zusammengefasst und mit der Forderungen an die SPD verbunden, nach Förderinstrumenten für pflanzliche Angebote zu suchen und tierische Inhaltsstoffe verringern zu wollen.

1. Für einen progressiven Tierschutz. Jetzt (Jusos Hessen, 2015)

Auf 6 Seiten legen die Jusos Hessen ihre Arbeitsgrundlage für ihren progressiven Tierschutz fest. Der Beschluss behandelt unter anderem Landwirtschaft, Veterinäre, Verbandsklage, Landestierschutzbeauftragte, Ernährung, Pelztiere, Haustiere, Tierheime, Zirkus, Tierversuche und Verpflegung bei eigenen Veranstaltungen und geht über eine Käfigethik klar hinaus.

Fazit

Die Sozialdemokratie in Deutschland wird langsam kritikfähiger. Vor allem die Jusos und Juso-Hochschulgruppen bringen die Debatte voran und hinterfragen den Status Quo. Dir gehen die Beschlüsse nicht weiter genug? Dann bring dich innerhalb der Sozialdemokratie ein. Nur mit der Sozialdemokratie wird es zu einem Tierschutz kommen, der die Produktion von Tieren hinterfragt.

Wir haben einen wichtigen Beschluss zu einem weitgehenden Tierschutz übersehen? Bitte weise uns auf diesen Beschluss hin.

Bild: http://www.gratisography.com