„Sogar Vegetarier“ von Willi Eichler frei verfügbar

Sogar Vegetarier wurde von Willi Eichler im Jahr 1926 in isk. Mittelungsblatt des Internationalen Sozialistischen Kampf-Bundes veröffentlicht. Der spätere Vater des Godesberger Parteiprogramms und langjähriger Angehöriger des Bundesvorstandes der SPD argumentiert in dieser wichtigen Schrift was ein linkes Weltbild mit einer vegetarischen Ernährung zu tun hat und wieso eine vegetarische Ernährung eine Mindestforderung im Kampf für eine „ausbeutungsfreie Gesellschaft“ ist.

Wir haben für euch eine buchstaben-, zeilen- und seitengetreue Abschrift angefertigt und diese unter der Creative Commons Lizenz herausgegeben. Dennoch empfehlen wir das Buch Das Schlachten beenden! Zur Kritik der Gewalt an Tieren. Anarchistische, pazifistische, feministische und linkssozialistische Traditionen zu lesen, welches neben Sogar Vegetarier von Willi Eichler weitere bedeutende Texte der linken Tierethik von anderen Autor*innen enthält. Zudem wird der Internationale Sozialistische Kampfbund (ISK), für den Willi Eichler gearbeitet hat und in deren Zeitschrift Sogar Vegetarier erschienen ist, kritisch gewürdigt.

Rufen wir Proletarier etwa nach einer humanen Ausbeutung? Oder gilt unser Kampf nicht vielmehr der Ausbeutung überhaupt? Gilt er aber der Ausbeutung überhaupt, dann dürfen wir auch nicht selbst ausbeuten; im Gegenteil: gerade die Ausgebeuteten selbst sind am ehesten in der Lage, die Qualen der Tiere nachzufühlen. Sieht man aber diese Qualen – und man sieht sie, wenn man die Augen aufmacht –, dann ist man auch verpflichtet, sie abzustellen, wenigstens so weit, wie man im Augenblick dazu in der Lage ist. Und die Macht des einzelnen reicht wenigstens so weit, selbst Vegetarier zu sein, also für seinen Teil sich fernzuhalten von dem Morden.
     Wenigstens, sage ich; denn das ist in Wahrheit noch sehr wenig. Oder was würden wir zu einem „Sozialisten“ sagen, der glaubt, seiner Pflicht als Sozialist dadurch zu genügen, daß er sich nicht an der Ausbeutung der Arbeiter beteiligt. Als Sozialisten bezeichnen wir doch im Ernst nur den, der gegen den Kapitalismus den Kampf aufnimmt und sich nicht damit begnügt, selbst kein Kapitalist zu sein.